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Ovcarsko­kablarski manastiri

Klostergruppe aus dem 15. bis 17. Jahrhundert

Verweise zu Literatur über dieses Thema
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Klostergruppe in der Schlucht der West­Morava zwischen den Bergen Ovcar und Kablar

 
Die Klöster in der engen Schlucht zwischen den Bergen Ovcar und Kablar sind in der Zeit zwischen dem 15. und 17. Jh. entstanden. Da sie an den schwer zugänglichen Mäandern des Flusses West­Morava errichtet wurden, konnten sie auch die schwierige Zeit der türkischen Herrschaft besser als viele andere Klöster überstehen.
Daher haben sie, ähnlich wie die Klöster auf der Fruska Gora in Srem, eine bedeutende Rolle in der serbischen Geschichte eingenommen: Sie wurden zu Zentren sowohl künstlerischer Art, als auch in Bezug auf das Kopieren alter Bücher (fast jedes Kloster hatte ein eigenes Skriptorium) und somit zu Hütern nationaler Kultur und nationalen Bewußtseins während der Zeit der Fremdherrschaft. Nicht selten entsprang aus diesen Klöstern und ihren Vorstehern der Ansporn zum Widerstand gegen die Türken, weshalb sie und die Bevölkerung der Umgebung unter Repressalien zu leiden hatten.
Wieviele Klöster hier ursprünglich angesiedelt waren (manche Forscher gehen von bis zu 25 aus), kann nicht mehr sicher festgestellt werden. Heute gibt es noch zehn ­ jeweils fünf an beiden Ufern des Flusses.
Am linken Ufer, unterhalb des Berges Kablar, befinden sich: Blagovestenje, Ilinje, Jovanje, Nikolje und Uspenje.
Am rechten Ufer, unterhalb des Berges Ovcar liegen: Vavedenje, Vaznesenje, Preobrazenje, Sv. Trojica und Sretenje.

Klöster am linken Morava­Ufer

 
Blagovestenje (Mariä Verkündigung): Wie man aus den Inschriften erkennen kann, wurde die Klosterkirche 1602 erbaut und im Zeitraum 1632­35 von innen und außen bemalt. Diese Fresken zählen, zusammen mit denen aus dem Kloster Nikolje, zu den schönsten und wertvollsten in dieser Klostergruppe. Sie sind das Werk des Malers Mitrofan, der auch die Ikonen an der Ikonostase gemalt hat.
Die Kirche ist ein einschiffiger Bau mit einem Querschiff und der Kuppel über dem mittleren Joch. Der Tambour ist achteckig, mit jeweils einem Fenster an jeder Seite. Die gesamte Dachkonstruktion ist mit Schindeln bedeckt. Eine Besonderheit dieser Kirche ist eine Vorhalle aus Holz. Das Kloster verfügte über ein eigenes Skriptorium. Heute befinden sich dort nur noch wenige handschriftliche Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die älteste Abschrift aus diesem Kloster ist ein Evangelium aus dem Jahr 1372, das sich heute in einer Wiener Bibliothek befindet.
Im Klosterhof sind noch drei ältere Wohngebäude für Mönche ("Konaci") aus den Jahren 1869, 1920 und 1932 zu sehen .
Umfangreiche Restaurierungs­ und Konservierungsarbeiten wurden zwischen 1966 und 1970 durchgeführt.
 
Ilinje: Eine kleine, dem Hl. Elias gewidmete Kirche wurde 1939 auf dem Fundament einer älteren Klosterkirche errichtet. Die genaue Entstehungszeit des ursprünglichen Klosters ist nicht mehr bekannt; möglicherweise wurde es von den Mönchen des nur 10 min. zu Fuß entfernten Klosters Blagovestenje gegründet. Seine Zerstörung wird in der volkstümlichen Überlieferung mit der Zeit der Aufstände gegen die Türken in den Jahren 1814/15 in Verbindung gebracht. Vuk Karadzic hat noch die Ruinen eines "Turmes, in dem Bücher abgeschrieben wurden" beschrieben.
 
Nikolje: Die erste Erwähnung des Klosters stammt aus dem Jahr 1489, aber die genaue Entstehungszeit ist nicht bekannt. Man kann jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß das Kloster Nikolje das älteste von allen in dieser Schlucht ist.
Die ca. 15 x 5 m große Kuppelkirche mit einem trikonchalen Grundriß ist dem Heiligen Nikolas gewidmet. Anhand der Inschriften erfährt man, daß die Kirche 1637 und 1697 mit Fresken bemalt wurde. Eine Eigenart dieser Kirche ist, daß sich der Eingang an der Südseite befindet.
In der einst reichen Schatzkammer befinden sich nur noch wenige handschriftliche Bücher aus dem 16. Jahrhundert. Das Kloster Nikolje besaß das größte Skriptorium in dieser Klostergruppe. Das wertvollste Buch der Klosterbibliothek war das "Nikloljsko Jevadjelje" aus dem 15. Jh. auf Pergament. Während des Ersten Weltkrieges verschwand es aus der Nationalbibliothek in Belgrad ­ es befindet sich heute in der Dubliner Bibliothek.
Im Laufe der Zeit wurde die Kirche mehrmals umgebaut und renoviert. In der neueren Zeit wurden umfangreiche Restaurierungs­ und Konservationsarbeiten 1965 an der Wandmalerei durchgeführt.
Uspenje: Das heutige Kloster ist auf den Fundamenten eines älteren im Jahr 1939 neu errichtet worden. Auf dem Berg oberhalb des Klosters befinden sich Ruinen eines viereckigen Turmes, von dem man annimmt, daß er zum Schutz der Klöster in der Schlucht diente.
Jovanje: Die erste Erwähnung des Klosters mit der dem Heiligen Johannes gewidmeten Kirche datiert aus dem Jahr 1536. Die Kirche war auf dem Fundament einer älteren erbaut worden. Als 1959 in dieser Schlucht ein Stausee für ein Wasserkraftwerk aufgestaut wurde, versetze man die alte Klosteranlage an ihren heutigen Platz.
Die einstige Kirche hat Vuk Karadzic 1824 als die schönste und die größte von allen in dieser Schlucht beschrieben. Er maß dem Kloster Jovanje generell eine große Bedeutung innerhalb dieser Klostergruppe zu. Auch was die Abschreibetätigkeit betrifft, war Jovanje eines der aktivsten Klöster; dies war in den 70­ger und 80­ger Jahren des 16. Jh. besonders ausgeprägt.
Die Kirche mit der Kuppel hat in Anlehnung an die "Morava­Schule" einen trikonchalen Grundriß, während manche Konstruktionselemente aus der "Raska­Schule" übernommen wurden. Der Narthex wurde anscheinend im 17. Jh. angebaut. Im Klosterhof sind Fundamente älterer Wohngebäude ("Konaci") vorhanden, auf denen ein neuer "Konak" gebaut wurde.
Kirche des Heiligen Sava: Oberhalb des Klosters Preobrazenje, in seiner unmittelbaren Nähe, wurde 1938 eine dem Heiligen Sava gewidmete Felskapelle errichtet. Sie befindet sich neben der als "Savina voda" ("Savas Wasser") bekannten Quelle, der die dortigen Bewohner Heilkräfte zuschreiben.

Klöster am rechten Morava­Ufer

 
Preobrazenje: Die ursprüngliche Klosteranlage befand sich auf dem linken Flußufer. Als 1911 die schmalspurige Eisenbahnstrecke in der Schlucht gebaut wurde, fiel das Kloster, das auf der Trasse stand, dem Fortschrift zum Opfer. Die jetztige Klosteranlage wurde 1938 auf dem rechten Ufer auf einem schmalen Plateau neu gebaut, auf dem alle Bauten sehr dicht gedrängt stehen.
 
Sveta Trojica: Das Kloster mit seiner der Heiligen Dreifältigkeit gewidmeten Kirche wird von allen Forschern übereinstimmend als das schönste architektonische Ensemble von allen Klöstern in der Schlucht bezeichnet. Die Kirche ist zugleich die einzige hier, die ihre ursprüngliche Form behalten hat.
Man kann mit Gewißheit sagen, daß die Kirche Anfang des 17. Jh. existiert hat ­ wahrscheinlich wurde sie in der zweiten Hälfte des 16. Jh. gebaut. Es ist ein einschiffiger Bau mit einem Querschiff, einer Apsis, rechteckigen Chören und mit einer Kuppel, deren Tambour 12 Seiten hat. In manchen Konstruktionselementen, sowie in der Ausgestaltung der Portale und Fenster weist die Kirche Ähnlichkeiten mit den Bauten der "Raska­Schule" auf.
Zwei sehr beschädigte Fresken, stilistisch unterschiedlich und aus verschiedener Zeit sind erhalten geblieben. Dieser Umstand hat manche Forscher zu der Annahme veranlaßt, es müßte zwei Schichten der Wandmalerei gegeben haben. Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß es keine "untere" Schicht gibt. Dies läßt zwei gleichermaßen glaubwürdige Möglichkeiten zu: Entweden war die Kirche, mit der Ausnahme von Lünetten über den Türen, gar nicht mir Fresken dekoriert, oder aber sie wurden gänzlich zerstört.
Nördlich der Kirche befindet sich ein Wohngebäude ("Konak"), über dessen Tür 1844 als Renovierungsjahr eingeritzt ist. In den 90­ger Jahren des 20. Jh. wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der Kirche durchgeführt.
 
 
Sretenje: Die erste schriftliche Erwähnung des Klosters Sretenje datiert aus dem Jahr 1623 und bezieht sich auf seine Zerstörung. Die Bauweise und teilweise auch die Verzierungen an der Kirche deuten jedoch darauf hin, daß sie bereits im 16. Jh. erbaut wurde.
Im Jahr 1818 wurde die Klosteranlage von Grund auf erneuert: Die Kirche wurde wiederaufgebaut und mit Fresken bemalt; Wohngebäude ("Konaci") wurden errichtet. Darüberhinaus wurde an die einschiffige Kirche mit der Apsis ein Pronaos mit einem großen Glockenturm angebaut.
Die Ikonostase dieser Klosterkirche besteht aus ist einer gemauerten Wand, die den Altar vom Naos­Raum abtrennt, was eine seltene Erscheinung in der serbischen Sakralarchitektur ist. Die ursprüngliche Bemalung der Ikonostase besteht aus Werken des bekannten Malers Zivko Pavlovic aus dem Jahr 1844. Zu den wichtigsten Ikonen zählen: Jesus auf dem Thron und die Gottesmutter mit Jesus auf dem Thron.
 
 
Vaznesenje: Die gleichnamige Kirche des Klosters Vaznesenje ("Himmelfahrt") ist 1937 auf Fundamenten der ursprünglichen Kirche aus dem 16. Jh. errichtet worden. Es ist ein kleiner einschiffiger Bau aus gebrochenem Stein mit einem Pronaos. Südlich der Kirche befindet sich ein massiver Glockenturm, an den sich unmittelbar ein altes Wohngebäude ("Konak") anlehnt.
Auch in diesem Kloster gab es einst ein Skriptorium. Das bedeutendste unter den dort entstandenen Büchern ist ein Evangelium aus dem Jahr 1570.
 
 
Vavedenje: Der Überlieferung zufolge wurde das Kloster Vavedenje von Stefan Nemanja und seinem Sohn, dem Heiligen Sava gegründet (12./13. Jh.). Die erste Erwähnung datiert jedoch aus dem Jahr 1452. Die Kirche ist ein kleiner einschiffiger Bau mit Apsis. Ursprünglich hatte sie eine kleine Kuppel, die 1870 eingestürtzt ist und nicht mehr erneuert wurde. Von den Fresken ist nichts erhalten geblieben. Von den erhaltenen Büchern in der Schatzkammer ist das bekannteste das sog. "Beogradsko cetvorojevandjelje" ("Belgrader Vierevangelion") aus dem Jahr 1552.
Diese Klosteranlage wurde nach mehreren Zerstörungen während der türkischen Herrschaft 1797 an derselben Stelle wiederaufgebaut. Seitdem ist sie bis heute ununterbrochen in Gebrauch. Zwischen 1872 und 1874 wurde die Kirche restauriert, aber nicht von Fachleuten: Anstelle der Kuppel wurde nur ein Gewölbe gebaut, die Wandmalerei wurde abgeklopft und die Wände neu gemörtelt und gekalkt.
In der Zeit zwischen 1875 und 1880 brannten die alten Wohngebäude ("Konaci") in einem Feuer nieder. Zwischen 1928 und 1930 wurden zum dritten Mal Renovierungsarbeiten an der Kirche vorgenommen: Der Pronaos aus Holz wurde entfernt und an seiner Stelle ein neuer Vorderteil mit Glockenturm gemauert. Im Jahr 1972 wurde die alte Ikonostase vom Ende des 18. Jh. durch eine neue, aus Holz geschnitzte, ersetzt.
 
Höhlenkirche "Kadjenica" ("Geräucherte"): Ca. 1 km flußaufwärts vom Ort Ovcarska Banja befindet sich eine Höhlenkirche, die ihren Namen aufgrund von Ereignissen aus der Zeit des Aufstandes unter der Führung von Hadzi­Prodan (1814) trägt. Dort suchte nämlich die Bevölkerung aus der Gegend Schutz vor den Türken. Als die Türken sie aber entdeckt hatten, zündeten sie das Stroh vor dem Eingang an, und die Leute in der Höhle erstickten im Rauch. Ihre Überreste wurden 1940 eingeäschert und gemeinsam in den Sarkophagen beigesetzt, die heute in der Altarapsis ihren Platz haben..
 
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