Kulturelle Informationen
 

Studenica

Kloster aus dem 12. Jahrhundert

Verweise zur Literatur über dieses Thema
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Studenica und seine Geschichte

Der Klosterkomplex von Studenica wurde zwischen 1183 und 1196 gebaut. Sein Gründer war Stefan Nemanja (1166-1196). Die Klosterkirche sollte als Mausoleum für ihn dienen, sowie für alle Nachkommen, auf die die Gründerrechte automatisch mit der Thronbesteigung übergingen. Nemanjas Überreste wurden 1205 von Hilandar nach Studenica überführt, wo sie heute noch liegen. Die Tatsache, daß Nemanja ­ der Begründer des serbischen Staates und ein Heiliger - dort beigesetzt lag, war der Grund dafür, daß Studenica eine Vorrangstellung unter den Klöstern genoß. Die Kirche ist auch zum Vorbild für alle späteren Kirchen geworden, die Nemanjas Nachkommen bauen ließen.
In der Zeit der türkischen Vorherrschaft litt auch Studenica unter finanziellen und anderen Nöten. Besonders kritisch waren die Zeiten der bewaffneten Aufstände, auf die Repressalien auch gegen Kirchen und Klöster folgten.
Ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte von Studenica ergab sich Anfang des 17. Jh., als alle alten Schätze verloren gingen. Heute gibt es in der Schatzkammer keine Gegenstände, die älter als von ca. 1600 wären. Es gibt allerdings keine konkreten Hinweise über durch die Türken verursachte Zerstörungen in dieser Zeit. Als Ursache für den Verlust kommen auch Brände in Frage, aber auch Versuche der Mönche, die Schätze zu verstecken oder auch Plünderungen.
Wie so viele andere Klöster, wurde auch Studenica durch die Bemühungen des Fürsten Milos in den dreißiger Jahren des 19. Jh. wiederaufgebaut und erlangte allmählich seinen Reichtum zurück. Im Jahr 1986 wurde der gesamte Klosterkomplex von Grund auf restauriert.

Architektur

Da uns die Günderurkunde nicht erhalten ist, kann man die genaue Zeit und die Reihenfolge der Entstehung der einzelnen Bauten des ursprünglichen Komplexes nicht bestimmen. Zu diesem Komplex gehörten Bauten, die Nemanja und seine unmittelbaren Nachfolger gestiftet haben. Im Laufe der acht Jahrhunderte wurde vieles umgebaut und neue Gebäude errichtet, wogegen andere ganz verschwanden. Nur ein Teil von ihnen hat sein ursprüngliches Aussehen bewahrt.
Die Kirche der Mutter Gottes ist der zentrale Klosterbau. Sie hat ihr ursprüngliches Aussehen nach Restaurierungsarbeiten 1986 zurückerhalten. Es ist eine einschiffige Kirche mit dem dreiteiligen Altarraum, dem überkuppelten Naos mit zwei Vestibülen an der Süd- und Nordseite und dem Pronaos.
Das gesamte Äußere und die Verzierungen der Kirche sind im romanischen Stil ausgeführt; nur der in 12 Segmente aufgeteilte Tambour der Kuppel ist nach dem Vorbild der byzantinischen Architektur gebaut worden.
In den dreißiger Jahren des 13. Jh. veranlaßte König Radoslav (ca. 1228 ­ 1234) den Bau eines Narthex an der Westseite der Kirche. Der Narthex ist ein einschiffiger Raum mit zwei Parakliseis, der den Naos der Kirche in der Höhe überragt. Auch durch sein Äußeres setzt er sich deutlich von der in bläulichen Marmor gekleidete Kirche ab. Abgesehen von den obersten Fasadenpartien blieb der Narthex über die Jahrhunderte unverändert.

Auch der dreistöckige Turm am Westeingang des Klosters gehört zu dem ursprünglichen Komplex, und wurde zeitgeich mit dem Narthex gebaut.
Ein weiterer Bau aus der ältesten Zeit ist das Refektorium des Hl. Sava, welches vom Baustil her typisch für byzantinische Klosteranlagen war.
Die kleine Kirche des Hl. Nikolas wird aufgrund der erhaltenen Fresken ebenfalls in die dreißiger Jahre des 13. Jh. datiert. Es ist eine einschiffige, im romanischen Stil gebaute Kirche mit Apsis. Der Kirchenraum ist durch Pilaster in drei Räumen geteilt. Die Frage, ob sie eine Kuppel hatte, ist noch ungeklärt. In den sechziger Jahren wurde sie gründlich restauriert.
Diese Kirche diente auch als Vorbild für die kleine Johanneskirche aus der zweiten Hälfe des 14. Jh.: Was die Größe, Raumverteilung und die obere Konstruktion betrifft, waren sie fast identisch. Erhaltengeblieben von der Kirche des Hl. Johannes des Vorläufers sind aber nur die Grundmauern bis in eine Höhe von ca. 1 m.
Die Kirche der Hl. Joakim und Anna, auch die "Königskirche" genannt, stammt aus der Zeit des Königs Milutin (1282 ­ 1321). Es ist eine einschiffige Kirche mit dreiteiliger Apsis und mit einer Kuppel. Besonders auffällig ist die Aufteilung der Fassade in zwei Zonen durch einen Kranz. Im Rahmen der Restaurierungsarbeiten 1986 erhielt sie ihr ursprüngliches Aussehen wieder.
Das Areal des Klosterhofes ist archäologisch noch nicht vollständig erforscht. Dies trifft insbesondere auf den Nordteil zu, wo die Fachleute hoffen, die Fundamente des einstigen Palastes des Klostergründers zu entdecken.

Wandmalerei und Plastik

Die ältesten Wandmalereien von Studenica befinden sich in der Kirche der Mutter Gottes und stammen aus den Jahren 1208/09. Sie sind das Werk mehrerer Meister, wahrscheinlich aus Konstantinopel, von denen sich der Hauptmeister in der Qualität der Arbeit deutlich von den anderen abhebt. Dominierende Themen sind: Große Feste und Szenen aus dem Leben der Gottesmutter, Kirchenväter, kleinasiatische Bischöfe sowie die Patriarchen von Konstantinopel. Die Kreuzigungsszene an der Westwand des Naos zählt zu den schönsten ihrer Art in der gesamten byzantinischen Kunst. Nach den Zerstörungen, die die Kirche beim Eindringen der Türken in diese Gebiete erlitten hat, fand eine umfangreiche Erneuerung der Fresken erstmals im Jahr 1568 statt.
Im Narthex der Kirche sind die Fresken fast vollständig zerstört. Am besten erhalten sind diejenigen in der Südkuppel, wo die geschichtlichen Szenen aus dem Leben von Stefan Nemanja und seiner Familie dargestellt sind.
In der kleinen Kirche des Hl. Nikolas ist aus der ältesten Zeit auch kaum etwas erhalten geblieben.Erwähnenswert sind die Darstellungen von Jesus Einzug in Jerusalem und die des Kopfes Johannes des Täufers.
Die Bemalung der Kirche der Hl. Joakim und Anna wurde schon bald nach ihrer Fertigstellung 1314 durchgeführt. Den bedeutendsten Platz nehmen zwei große Zyklen ein: Die großen Feste und die Szenen aus dem Leben der Gottesmutter. Weitere wichtige Darstellungen sind die der Apostel, Evangelisten, alttestamentarischen Propheten und der Kirchenväter.
Bei der Gestaltung der Kuppel sind zwei Neuerungen in der serbischen Kunst erkennbar: die himmlische Liturgie und der Christos Pantokrator mit vier apokalyptischen Tieren werden hier zum ersten Mal dargestellt.
Alle Fresken sind sehr gut erhalten und gelten als Meisterstücke der Paläologischen Kunst.
Dekorative Architektur und insbesondere Skulptur machen Studenica in dieser Hinsicht zum bedeutendsten Kunstdenkmal im mittelalterlichen Serbien. Am schönsten ausgearbeitet sind die Portale im Westen, im Süden und zwischen dem Pronaos und Naos. Bemerkenswert ist die Plastik unterhalb des Apsisfensters: Auf der linken Seite auf einem Sockel stehend ist der "schlechte Mönch" samt der Sünden dargestellt; auf der rechten Seite der "gute Mönch" mit den Tugenden.
Im Jahr 1979 wurde das Kloste Studenica in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
 
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