Kulturelle Informationen
 

Petrova crkva

Kirche aus dem 9. / 10. Jahrhundert

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Petrova crkva und ihre Geschichte

Die Kirche der Heiligen Petrus und Paulus, heute als Petrova crkva (Peterskirche) bekannt, befindet sich ca. 2 km nördlich von Novi Pazar. Sie ist das älteste erhaltene Denkmal der serbischen Kirchenarchitektur.
Zwei Legenden sind mit ihrer Entstehung verbunden: Laut der einen wurde sie vom Apostel Titus gegründet; laut der anderen ist sie Mitte des 9. Jh. errichtet worden, nach dem Sieg von Pavlimir, dem König von Diokleia, über den Joupan von Rascien - Ljutimir.
Die erste geschichtliche Erwähnung der Kirche findet sich in der Urkunde des byzantinischen Kaisers Basilios II, in der die Bischöfe, die bis dahin unter der Jurisdiktion des bulgarischen Patriarchen standen, nun dem Ochrider Erzbistum unterstellt wurden - darunter auch die Bischöfe von Rascien.
Schon im 10. Jh., nach Entstehung des ersten serbischen Staates, wurde die Peterskirche das Zentrum des Bistums Rascien. Im Laufe der Jahrhunderte, in denen die Serben für die Unabhängigkeit von Byzanz kämpften, war Rascien wechselweise unter der Jurisdiktion der Erzbistümer von Bar und Ochrid. Mit dem Machtantritt von Kaiser Michael I Komnenos (1143-1180) wurden die Beziehungen zum Erzbistum von Bar endgültig gebrochen und die Beziehungen zu Byzanz gefestigt. Als unter Kaiser Dusan (1331-1355) Serbien sein eigenes Patriarchat erlangte, wurde Rascien in den Rang eines Erzbistums erhoben und entwickelte sich zum geistigen und kulturellen Zentrum des damaligen Serbien. Diese herausragende Rolle innerhalb der serbischen Kirche haben die Petruskirche und Rascien auch in der Zeit der türkischen Herrschaft bewahrt, bis 1786 die Erzbistümer von Rascien und Prizren zusammengelegt wurden.

Architektur und Kunst

Umfangreiche archäologische Ausgrabungen, die zwischen 1956 und 1958 durchgeführt wurden, ergaben folgendes Bild: Das heutige Aussehen der Peterskirche bildet in architektonischer und chronologischer Hinsicht keine Einheit. Der Kern der heutigen Kirche besteht aus einem frühchristlichem Baptisterium aus dem 6. Jh. Der zentrale Teil ist vollständig erhalten und hat einen kreisförmigen Grundriß. In ihm befindet sich eine schmale Galerie, die über eine Treppe erreicht wird. Auf dieser Galerie warteten vermutlich die Katechumenen auf die Taufe. An der Nord- und Westseite gehen von dem zentralen Bau strahlenförmige Mauern aus, die einst ein Seitenschiff in mehrere Räume geteilt haben. Dies um den zentralen Bereich herumlaufende Seitenschiff kann anhand der erhaltenen Nord- und Ostseite auch auf der Südseite, wo nur spärlichen Funde vorhanden sind, rekonstruiert werden. Ebenfalls aus der ältesten Epoche stammen auch die vier mächtigen Pfeiler im Inneren des kreisförmigen Raumes. Stilistisch weist dieser älteste Bau Ähnlichkeiten mit den kretischen Kirchen aus derselben Zeit auf. Die Kirche wurde Ende des 6. Jh. / Anfang des 7. Jh., zur Zeit der Ansiedlung der Slaven in diesen Gebieten, verlassen und zerstört. So sind heute von der ursprünglichen Kirche nur die Mauer bis zu einer Höhe von 2 bis 3 m erhalten geblieben; die oberen Kirchenteile stammen aus der Zeit der Restauration im 10. Jh. Allerdings hat die Kirche dabei keine radikalen Veränderungen erlitten.
Anders steht es mit den Umbauarbeiten aus der Zeit der türkischen Herrschaft: Sie wurden mehrmals unternommen und brachten große Veränderungen am Äußeren der Kirche. In der ersten Umbauphase wurde ein Narthex an der Westfassade angebaut, der heute noch vorhanden ist. Nach den Zerstörungen in den türkisch- österreichischen Kriegen, wurde die Kirche bald darauf - im Jahr 1728 - wiederaufgebaut, wovon eine Tafel über dem Eingang zeugt. Die letzten umfangreichen Umbauarbeiten wurden 1835 durchgeführt. Damals wurde ein Teil an der Südseite angebaut, der den Narthex mit dem alten Teil der Kirche verband und das Ganze erhielt eine gemeinsame Überdachung. Alle großen Fenster am Tambour und an der Apsis wurden so zugemauert, daß von den Fenstern nur noch schmale Schlitze übrig blieben. Von innen und außen wurden die Kirchenmauer mit Mörtel verputzt. In diesem Zustand blieb sie bis zu der kompletten Restaurierung 1978.
Die ersten Entdeckungen mittelalterlicher Fresken unter der Schicht aus dem 19. Jh. im Jahr 1954 gaben Anstoß für systematische Untersuchungen in der gesamten Kirche, die 1956-1958 durchgeführt wurden. Insgesamt sind vier Schichten aus unterschiedlichen Epochen identifiziert worden, die alle nur fragmentarisch erhalten sind.
Die älteste Schicht datiert aus dem 9. Jahrhundert. Der größte Teil befindet sich im Tambour und stellt Szenen aus dem Leben des jungen Christus dar. Die Figuren kann man nur sehr schwach erkennen, aber man sieht, daß die dominierenden Farben Purpur, Oker und Dunkelrot sind. Die Kunsthistoriker sind sich darin einig, daß sie stilistische Merkmale der Miniaturen der Karolingischen Renaissance und der zeitgenössischen byzantinischen Miniaturen aufweisen und somit ein wichtiges Zeugnis für die Synthese der östlichen und der westlichen Kunst darstellen.
Die zweite Schicht stammt aus der ersten Hälfte des 11. Jahhunderts. Sie befindet sich hauptsächlich in der Apsis. Alle Figuren sind stark beschädigt. Die markantesten unter diesen Fresken sind die Gottesmutter mit dem kleinen Christus auf dem Schoß, sowie vier Apostel und zwei Engel unterhalb der Darstellung der Gottesmutter. Stilistisch weisen sie Einflüsse der appenninischen Kunst auf.
Die dritte Schicht aus der Zeit von Stefan Nemanja (1166-1196) ist am schlechtesten erhalten. Erkennbar sind Fragmente der Figuren des Heiligen Michael und des Heiligen Petrus, die sich ebenfalls in der Apsis befinden. Stilistisch gehören sie zu der Komnenen-Kunst.
Die letzte und jüngste Schicht aus der Zeit des Uros I (1234-1276) ist zugleich am besten erhalten.Besonders hervorzuheben sind die Stifterkomposition in der Südnische, die sehr beschädigte Figur des Christus Pantokrator in der Kalotte der Kuppel, sowie der Fries mit alttestamentarischen Propheten und vier Engeln unterhalb der Christus-Darstellung. Die größte Aufmerksamkeit der Kunsthistoriker hat jedoch die Darstellung des Heiligen Panteleimon auf sich gezogen: Sie sind sich darüber einig, daß es sich bei diesem Fresko um eine der schönsten Darstellungen des Heiligen Panteleimon in der gesamten byzantinischen Kunst handelt. Der Stil der Fresken aus dieser Epoche entspricht den Hauptströmungen in der zeitgenössischen serbischen Wandmalerei. Die Parallelen sind unter anderem in Djurdjevi Stupovi, Studenica und Arilje zu finden.

Im Rahmen der großen Kirchenrestauration 1978 sind auch die Fresken konserviert worden.

Im Jahr 1979 ist die Peterskirche in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.
 
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