Kulturelle Informationen
 

Kalemegdan

Belgrader Festung aus dem 1. bis 18. Jahrhundert

 
Verweise zur Literatur über dieses Thema
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Kalemegdan und seine Geschichte

Die Belgrader Festung befindet sich auf dem Hügel oberhalb der Mündung der Save in die Donau. Es ist eine der ganz seltenen Lokalitäten, an denen archäologische Ausgrabungen das Leben in Siedlungen von der Steinzeit bis ins 19. Jh. nachgewiesen haben. Verständlicherweise sind die materiellen Spuren der vorgeschichtlichen Kulturen im Vergleich zu denen aus der römischen Zeit und dem Mittelalter recht karg.
Die ersten archäologischen Ausgrabungen wurden noch währen der deutschen Besatzung im II Weltkrieg unternommen. Systematische Untersuchungen sind nach der Beendigung des Krieges eingeleitet worden und dauern mit Unterbrechungen noch an.
Zur ältesten freigelegten Kulturschicht gehören zwei Wohnhorizonte der Vinca-Kultur, gefolgt von einem Wohnhorizont der Kostolac-Kultur. Alle weisen unterschiedliche Wohngewohnheiten auf und sind durch reichen Keramikfund dokumentiert. Dagegen ist die jüngste Kultur, die Bosut-Kultur aus der frühen Eisenzeit, am schwächsten vertreten - sowohl was die Wohnbauten betrifft, als auch die Keramik.
Als im 1. Jh die Römer diese Gebiete von Kelten übernahmen, bauten sie an dieser Stelle ein castrum: Es erstreckte sich hauptsächlich über die Obere Stadt und den heutigen Park Kalemegdan. Mit Dimensionen von ca. 570 x 350 m entwickelte es sich zum größten Lager im Bereich des an der Donau entlangführenden limes. Innerhalb des castrums wurden sechs verschiedene Wohnhorizonte identifiziert. Am besten erhalten und dokumentiert ist der dritte, der mit dem ersten Aufenthalt der IV Legion der Flavier verbunden wird. Aber auch diese Reste sind spärlich und befinden sich tief unter den späteren Bauten im heutigen Stadtkern von Belgrad. Ein Teil der Fortifikationsmauer kann z.B. im Keller der Stadtbibliothek, im sogenannten "Römischen Saal", gesehen werden.
Dieses castrum hat nach Zerstörungen im 4. und 5. Jh. durch Goten und Hunnen Justinian I ca. 560 wiederaufgebaut. Nur wenig später, Anfang des 7. Jh., wurde es von Awaren und Slaven endgültig zerstört und daraufhin verlassen.
Nach dieser Zerstörungswelle besiedelten Serben das Gebiet des heutigen Kalemegdan, aber genaue Erkentnnisse über die Entstehung ihrer Stadt an der Stelle der antiken Fortifikation haben die archäologischen Untersuchungen noch nicht geliefert; vermutet wird, daß dies zwischen dem 8. und 9. Jh. geschah. Fest steht jedoch, daß die erste schriftliche Erwähnung der Stadt unter dem heutigen Namen (Beograd) aus dem Jahr 878 datiert.
Wie die Entdeckungen der ältesten Behausungen und einer Nekropole aus dem 9. und 10. Jh. bezeugen, haben die Serben im wesentlichen den westlichen Teil der antiken Festung, am Abhang zur Save, besiedelt. Aber Siedlungen und Nekropolen aus der späteren Zeit sind auch in anderen Teilen von Kalemegdan entdeckt worden.
Anfang des 11. Jh. kam Belgrad wieder unter byzantinische Herrschaft und wurde zum strategisch wichtigen Punkt zwischen den ungarischen und byzantinischen Imperien ausgebaut. Unter dem Kaiser Manuel I Komnenos (1143-1180) wurde die Stadt als Festung zur Verteidigung der Nordgrenze ausgebaut und erhielt auch einen kaiserlichen Palast.
Aber schon Ende des 12. Jh. verließen die Byzantiner diese Gebiete endgültig und die Belgrader Festung wurde ein Bestandteil des ungarischen Staates.
Als Belgrad 1326 dem serbischen Staat angeschlossen wurde, war diese Tatsache ein Anlaß für kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Ungarn und den Serben. In diesem Rahmen unternahmen die Könige Milutin und Stefan Dusan umfangreiche Arbeiten zur Erweiterung des Fortifikationssystems.
In der Zeit des Despoten Stefan Lazarevic (1404-1427) wurde der befestigte Teil der Stadt um ein Zehnfaches erweitert und innerhalb der Festung sein Hof gebaut. Davon ist allerdings nichts übriggeblieben. An der vermuteten Stelle befindet sich heute ein Modell des Hofes, das anhand überlieferten Angaben zu dessen Aussehen angefertigt wurde.
Nach dem Tod des Despoten ging Belgrad wieder an die Ungarn. Sie setzten die Fortifikationsarbeiten über ein ganzes Jahrhundert lang fort, um aus der Belgrader Festung ein Bollwerk gegen den türkischen Vormarsch nach Mitteleuropa zu machen. Aus dieser Zeit stammen Bauten, die mit am besten erhalten sind.
Als die Türken 1521 Belgrad eroberten, haben sie zunächst keine weitere Arbeiten zum Ausbau der Festung unternommen. In den darauffolgenden österreichisch-türkischen Kriegen im 17. und 18. Jh. ging die Festung mehrmals in die Hände der einen bzw. der anderen Partei über und erlebte dabei drei große Rekonstruktionen. Bei der letzten, die nach der erneuten Eroberung durch die Türken 1740 stattfand, erhielt die Festung das Aussehen, das sie im wesentlichen heute hat.
Im Jahr 1867 haben die Türken Belgrad endgültig verlassen, und die Festung wurde dem Fürsten Mihajlo Obrenovic übergeben. Von diesem Zeitpunkt an verlor sie ihre Verteidigungsfunktion. Bald darauf wurden Pläne zur Errichtung eines öffentlichen Parks entwickelt und verwirklicht.
Heute ist Kalemegdan der beliebteste Park in Belgrad.
 
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